Spiele sind die besseren Filme

Videospiele hatten schon immer von besserer Grafik profitiert. Der Wunsch vornehmlich von Spielern nach besserer Grafik führte zu immer besserer und teurerer Hardware, und im Gegenzug wurde die Entwicklung von Spielen mit realistisch aussehender Grafik immer teurer und aufwändiger.


Schon früh war der Wunsch geweckt, Spiele mögen so toll aussehen und so tolle Effekte haben wie Actionfilme - wer hatte sich seit dem ersten “Star Wars” nicht gewünscht, selbst in einem Spiel mal in einem X-Wing zu fliegen und alles würde so toll aussehen wie in den Filmen? Mit der zunehmend besseren Technik wird das möglich.


Neulich kam sogar wirklich eine VR-Mission für Star Wars Battlefront heraus, welche den Spieler virtuell in ein X-Wing-Cockpit versetzt. Andere Spiele haben heutzutage eine Grafik, welche fotorealistisch vergessen lässt, ob man einen Film oder ein Spiel sieht, noch dazu mit Schauspielern, die man auch aus Produktionen von Hollywood kennt.


Spiele sind definitiv weit gekommen. Doch wie sieht es für die Zukunft aus? Grafisch ist die Sache klar: Irgendwann werden wir Realität und Spiel optisch kaum mehr voneinander trennen können. Warum aber komme ich nun zu dem Schluss, dass Spiele die besseren Filme sind?


Durch VR (kommt sicher auch bald in vernünftigem Ausmaß in die Filmbranche) fühlt man sich deutlich besser dem Geschehen verbunden. Was ist aber das Killerargument? Entscheidungen, Beteiligungen und Interaktion. In einem Spiel kann man versagen, oder man kann durch den Tod eines Charakters die Handlung in eine neue Richtung verändern. Besonders clever war in letzter Zeit in dieser Hinsicht das Spiel “Until Dawn”, in dem eine klassische Horror-Teenie-Slasher-Story so umgesetzt wurde, dass jeder der acht Charaktere überleben oder sterben konnte.


Es fügt eine neue Dimension der Spannung hinzu, wenn man weiß, dass man den Ausgang der Geschichte durch die eigenen Handlungen oder Fähigkeiten in der Hand hat. Man fiebert stärker mit, man hat mehr Angst um die Figuren und man ist intensiver in die Geschichte eingebunden.


Nun würde ich mir nur noch wünschen, dass Spiele endlich nicht mehr dieses Nischendasein fristen würden im künstlerisch-gestalterischen Aspekt. Es sind verdammt dicke Bretter, die da gebohrt werden müssen, bis man Videogames nicht mehr als elektronisches Spielzeug, sondern als Kunstwerke betrachtet und beachtet. Es gibt bereits sehr viele Beispiele und Argumente, warum Spiele auch Kunst sind. Nun fehlt nur noch die gesellschaftliche Akzeptanz. Arbeiten wir daran.

© Christian Wüst 2017