„Nafris“ und Alltagsrassismus

Zuallererst möchte ich klarstellen, dass der Begriff keinen Singular oder Plural in sich darstellt. Es gibt keinen “Nafri”. Die Abkürzung steht schließlich für “Nordafrikanische Intensivstraftäter” und wirft damit eine Herkunft und eine Verurteilung (“Straftäter”, nicht “Verdächtige”!) in einen praktischen, hochgradig problematischen Topf.

Die Polizei hat ein Rassismusproblem, wenn solche Abkürzungen üblich sind. Anderenfalls würde ich gerne “Deutis” vorschlagen… Scherz beiseite, vergesst den Mist.

Auf Facebook und anderen Kanälen wird in diesen Tagen ein schrecklicher Trend zum breiten Legitimieren von Alltagsrassismus deutlich. Die Menschen scheinen es für gut zu halten, dass die Polizei so vorgegangen ist - der Zweck scheint die Mittel mal wieder zu heiligen. Ich enthalte mich der Bewertung der Effizienz dieses Vorgehens, da ich zu wenig darüber weiß. Ich las von einer simplen Aussortierung nach Hautfarbe bzw. Erscheinungsbild. Wenn das kein Rassismus ist, was denn sonst?

Die Seite correctiv.org recherchiert derzeit zu dem Thema, und ich bin sehr gespannt auf das Ergebnis. Update: Hier ist eines. Liebe „Deutsche“ Mitbürger, findet ihr es dann auch in Ordnung in anderen Ländern „Krauts“ und anderlei genannt zu werden?

Ich dachte, wir wären in diesem Land schon etwas weiter. Etwas besser. Aber wenn die AfD trotz rechtsextremer Parolen über 10% in Umfragen bleibt, dann haben wir ganz andere Baustellen.

© Christian Wüst 2017