Bücher, Verlage, und das Urheberrecht

Ja, das ist ein Oxford-Komma. Gehört nicht ins Deutsche, aber ich liebe es.

Schauen wir uns mal das Verhältnis zwischen Verlegern und Autoren an - es gibt nämlich gute Gründe, dieses unter Berücksichtigung der modernen Technik von Grund auf neu zu betrachten und zu überdenken, gerne auch zu reformieren.

In der Vergangenheit bestand die Aufgabe des Verlages darin, Bücher überhaupt in größeren Mengen herzustellen, sie zu bewerben, zu verkaufen und einen fairen Anteil an den Urheber dahinter abzugeben. Die Aufgabe des Autors war im Gegenzug, für druckbares, vermarktungsfähiges Material zu sorgen. Auf diese Weise wurden beide Parteien finanziert und das Geschäftsmodell gestützt.

Nun hat sich durch die Digitalisierung und das Internet auch einiges in dieser Hinsicht geändert. Es können nun viel mehr Käufer mit geringerem Aufwand angesprochen werden, digital vertriebene Bücher sparen sich Druckkosten ein und vor allem: Der Autor ist duch Social-Media-Kanäle, wenn er es wünscht, mit dem Publikum direkt vernetzt.

Kommen wir kurz zum Elefanten im Zimmer: Amazon bietet im Vergleich zu traditionellen Verlagen den Autoren zwar eine bessere Beteiligung an, doch ist die rechtliche Situation (US-Unternehmen, Rechteabtretung etc.) nicht gerade einfach, und es gibt die Bindung an ein Kopierschutzsystem, das im schlimmsten Fall sogar schon mal Kunden die gekauften Bücher aus dem Konto und vom E-Book-Reader zu Hause gelöscht hat. Kundenfreundlichkeit sieht anders aus.

Auch die herkömmlichen Verlage und Vertriebe sind an Kopierschutzmethoden interessiert.  Stets muss dann der Kunde irgendwelche Konten online anlegen (z.B. die Adobe-ID bei der sogenannten "Onleihe" (schreckliches Wortspiel)) und irgendwelche Einschränkungen in Kauf nehmen, wie begrenzte Nutzungsdauer, Einschränkung auf benutzbare Geräte, umständliche Handhabung und einiges mehr. Am Ende gehört das "gekaufte" Buch gar nicht dem Käufer, sondern er hat nur das Recht erworben, es unter den gestellten Bedingungen lesen zu dürfen.

Diese Durchsetzung von Verwertungsrechten unter dem Deckmantel des Urheberrechts geht mir gewaltig gegen den Strich. Ich möchte, dass ich etwas wirklich bedingungslos behalten und nutzen kann. Wenn ich Zitate daraus kopieren möchte, dann soll das auch funktionieren. Wenn ich etwas als Kommentar daneben schreiben will, dann muss das funktionieren. Wenn ich eine andere Software zum Lesen bevorzuge, dann hat es auch dort zu laufen. Und wenn ich einem Freund das Buch ausleihen möchte, dann kann ich ihm das Buch eben kopieren. Nennt sich Privatkopie, schlagt es mal nach.

Mit der Kampagne "Hometaping is killing Music" hatte die Musikindustrie bereits in den frühen 80er Jahren angefangen, gegen "illegale" Aufnahmen vom Radio vorzugehen. Pleite ging dadurch niemand. Die Frage ist nun, was hat sich seitdem geändert? Durch das Internet hat sich die Zugangshürde (z.B. das Laden einer Filesharing-Software) und die Verbreitungsgeschwindigkeit (P2P-Verteilung in hoher Geschwindigkeit!) seit der alten VHS-Zeit deutlich vereinfacht und verschnellert.

Dieses Problem hat sich auch bei den Musiklabels niedergeschlagen, die immer mehr Downloads ihrer Songs statt CD-Käufen hinnehmen mussten. Nur zögerlich durch das Vorpreschen von iTunes und weiteren Services akzeptierten die Musikanbieter die neuen Verkaufsmethoden. Später folgten auch eBooks (befeuert durch die speziell dafür entwickelten Geräte) und die Filmindustrie (befeuert durch immer schneller werdende Internetverbindungen).

Kommen wir noch mal auf das Thema Kopierschutz zurück. Inzwischen ist es so, dass online gekaufte Musik frei von Kopierschutz ist. Statt dessen, um die Verbreitung einzudämmen, werden die Dateien mit Metadaten versehen, die Rückschluss auf den eigentlichen Käufer erlauben. Kann man so machen. Die andere Entwicklung bei Musik ist das Streaming und damit verbundene Cloud-Services. Der Haken daran ist: DIESE Musik ist wiederum geschützt, und man wird durch ein Abo an die Nutzung gebunden. Sobald man sich entscheidet, diese Gebühr nicht mehr zu bezahlen, ist der Zugang weg (oder eben werbefinanziert, okay) - der Punkt ist jedenfalls, dass man diese Songs nicht mehr selbst besitzt.

Wie stehe ich nun zu all dem? Wie gesagt, wer etwas kauft, soll etwas auch behalten und für immer benutzen können. Wie dieses Gut nun übermittelt wird, auf welchem Medium es erstanden wird, ist dabei zweitrangig. Ich finde es nicht so problematisch, wenn ein Film auf einer Disk oder eben als eine Datei daher kommt. Das Medium hat sich geändert, doch die Ware bleibt die selbe. So lange es ohne Kopierschutz daher kommt, soll es mir recht sein.

Wenn ich ein Buch geschrieben habe, was würde ich am Liebsten tun? Ich würde mich keinem Verlag unterwerfen und meine Rechte an meinem Werk schmälern wollen. Inzwischen ist es so einfach und günstig, Inhalte online zu verkaufen, dass ich gewillt bin, das auf eigene Faust zu versuchen. Ich werde einen kleinen Online-Shop einrichten und der Käufer bekommt meine Arbeit per Mail oder wie auch immer, ohne Kopierschutz oder sonstige Einschränkungen.

Wenn dann derjenige unbedingt das Ding online verteilen will - naja, dann ist es eben so. Es kommt ganz darauf an, in welchem Maße das läuft. Der Autor Neil Gaiman hatte in seinem Blog erwähnt, dass die Verkäufe seiner Bücher genau in diesen Gegenden angestiegen waren, in denen die meisten Kopien verteilt wurden. Man kann es als kostenlose Werbung sehen. Würde die Verteilung dermaßen Überhand nehmen, dass keine Verkäufe mehr generiert würden, dann wäre es für Hauptberufliche womöglich schon ruinös, wer weiß.

Ich befinde mich in einer Sondersituation: Ich habe bereits einen festen Job - ich bin nicht auf rekordbrechende Verkäufe und jeden Cent angewiesen. Würde ich von den Verkäufen leben können, würde ich es mir sicher überlegen, in Vollzeit zu schreiben. Gegenwärtig aber steht das noch in einer sehr unscharfen Zukunft. Bis dahin werde ich nebenher schreiben, wann immer Zeit dafür ist.

Kommentare zu meiner Position sind gerne willkommen, egal ob per Mail, auf Tellonym, Twitter oder Facebook. Vielen Dank!

© Christian Wüst 2017